Von Moritz Jaeckle / Associate Partner

Durch die Pandemie erleben viele Unternehmen, dass Umsätze wegbrechen (sei es durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Krise oder durch eine generelle Nachfragezurückhaltung), teilweise können aber auch Aufträge nicht erledigt werden, da globale Lieferketten gestört sind. Auftraggeber und Kunden können nicht fristgerecht zahlen – die kurzfristige Liquidität reicht im Ergebnis nicht aus, da die Ausgabenseite die Einnahmenseite übersteigt. Staatliche Hilfen, die schon beantragt worden sind, werden vielleicht nicht in der beantragten und benötigten Höhe bewilligt oder verzögern sich schlichtweg.

Merkmale der Krise

Die in der Einleitung geschilderten Probleme führen in das „dritte Krisenstadium“, die Liquiditätskrise. Der versiegende Cashflow reicht nicht mehr aus, um Verbindlichkeiten bedienen zu können, das Unternehmen verliert zunehmend seine Fähigkeit, sämtlichen Zahlungsverpflichtungen umfassend und fristgerecht nachkommen zu können.

Dies führt dazu, dass bestehende Kreditlinien dauerhaft voll ausgenutzt oder ggf. sogar überzogen werden, es zu Lastschriftrückgaben bzw. zu Zahlungsverzügen kommt und Zahlungsziele verpasst werden.

Dialog mit den Finanzierungspartnern

In dieser Situation, idealerweise sehr frühzeitig, sind die Banken und andere Finanzierungspartner gefragt, um die Liquiditätskrise abzuwenden oder zu beseitigen.  Diese Gespräche gilt es vorzubereiten, um den Banken eine solide Entscheidungsgrundlage zu liefern und eventuelle Zweifel an der langfristigen Kreditwürdigkeit sowie der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells zu begegnen.

Gehen Sie möglichst schon auf Ihre Finanzierungspartner zu, wenn Sie merken, dass die Liquiditätskrise ein realistisches Szenario ist, d.h. im Idealfall bevor z.B. die Bank oder das Leasingunternehmen anhand von Warnsignalen merkt, dass etwas in Ihrem Unternehmen nicht stimmt. Eine frühzeitige Einbindung der Banken und anderer Finanzierer ist auch vor dem Hintergrund der für diese ggf. entstehenden Haftungsrisiken wichtig und sinnvoll.

Ein Bankengespräch in der Krise ist zweifellos ein unangenehmer Gedanke, aber die Bank wird es zu schätzen wissen, dass sie frühzeitig eingebunden worden ist – und dieses proaktive Vorgehen wird Sie erfahrungsgemäß von vielen anderen Kreditnehmern unterscheiden!

Leitplanken für die Vorbereitung:

  • Binden sie gleichberechtigt alle Finanzierungspartner ein, dies schafft Transparenz und erleichtert die anschließende Sanierung und finanzielle Restrukturierung, für die sowieso in der Regel alle beteiligt werden müssen.
  • Sammeln Sie alle relevanten Daten und bereiten Sie diese so auf, dass die Bank mit wenigen Blicken und Ihrer Erklärung ein gutes Bild von der aktuellen Situation Ihres Unternehmens bekommt. Schaffen Sie dabei maximale Transparenz, wenn nachträglich risikorelevante Aspekte ans Licht kommen, ist endgültig das Vertrauen gestört.
  • Erstellen Sie einen robusten Handlungsplan (Sanierungskonzept), der auf Basis von realistischen Annahmen einen Weg aus der Krise zeigt. Der Handlungsplan darf dabei nicht zu „rosarot“ sein, aber muss auch transportieren, dass Sie an Ihr Unternehmen glauben!
  • Das Konzept sollte eine mit Zahlen unterfütterte Idee enthalten, wie die Finanzierung umstrukturiert werden könnte, um die Sanierung des Unternehmens nachhaltig zu unterstützen.
  • Zögern Sie nicht, Spezialisten hinzuzuziehen, denen Sie vertrauen (Steuerberater, Sanierungsexperten)!

Gehen Sie positiv in das Gespräch, denn solange es ein Gespräch gibt, kann es auch einen Weg für eine Restrukturierung geben. Die Bank hat grundsätzlich ein Interesse an einer Restrukturierung, denn diese erhöht (wenn sie solide durchgeführt wird) die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung von ausgereichten Mitteln.

Im Bankengespräch:

  • Die Ursache der Krise Ihres Unternehmens sollten Sie transparent (aber kurz) darlegen, dabei auf die externen und ggf. internen Faktoren eingehen – der Fokus sollte aber auf der Zukunft liegen.
  • Erläutern Sie Ihren eigenen Sanierungsplan und untermauern Sie diesen mit Daten und anderen Informationen aus Ihrem Unternehmen. Erklären Sie, worauf Ihre Annahmen beruhen und natürlich auch mit welchen Unsicherheiten diese einhergehen. Der Bank ist bewusst, dass der Plan erstmal ein Plan ist und es gerade in der Liquiditätsplanung zu Abweichungen kommen kann.
  • Die Bank wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erweiterte Reportinganforderungen und ggf. auch Covenants zur Bedingung machen, lassen Sie sich diese erklären und prüfen Sie, wie diese zum Sanierungsplan passen.

Kompetente Unterstützung in der Krise

F&P steht Ihnen mit hoher Fachkompetenz zur Seite, auch wenn die See rauer wird! Gerne unterstützen wir bei Sanierungskonzepten, der Restrukturierung von Finanzierungen oder den Verhandlungen mit Ihren Finanzierungspartnern.

Das Bankengespräch in der Krise

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